Jacques d’Adelswärd-Fersen (1880 – 1923)

Baron Jacques d’Adelswärd-Fersen was a French aristocrat, a novelist and poet. In 1903, after a scandal involving Parisian schoolboys had made him a persona non grata in the salons and dashed his marriage plans, he took up residence in Capri, where he lived with his longtime boyfriend and ’secretary’, Nino Cesarini until his death in 1923.

D’Adelswärd-Fersen’s grandfather had founded a steel empire, which was profitable enough that it made d’Adelswärd-Fersen exceedingly wealthy when he inherited at age 22. Consequently, he was much sought-after in the higher circles, as families hoped to marry him to one of their daughters. Apart from joining the military, d’Adelswärd-Fersen had already travelled extensively and published some poems. At around this time, his homosexual leanings became apparent to him, which are also relatively clearly addressed in his poetry. Unfortunately for him, he was not sexually interested in adult men (which at the time in France would not have brought him into legal trouble) but in teenage boys between about 15 and 17 years old. This inclination eventually caused his undoing in French society.  In 1903, accusations surfaced that the Baron had held Black Masses in his house at 18 Avenue de Friedland. Supposedly these orgiastic feasts were attended by local Parisian schoolboys and involved sexual misconduct between the Baron and the boys. He was charged with indecent behavior with minors and served a six-month prison sentence, was fined 50 francs and lost his civil rights for five years.

The scandal bears some similarities with the trial of Oscar Wilde in 1895, who also experienced great social degradation after a public trial finding him guilty of ‘gross indecency with other male persons’. Perhaps d’Adelswärd-Fersen was lucky in that his feasts were also attended by other notable figures of Parisian high society, which more or less forced the court to drop some charges to minimise the impact of the scandal. After his marriage plans were foiled, d’Adelswärd-Fersen remembered the island of Capri from his youth and decided to build a house there.

Lord Lyllian, published in 1905,  one of d’Adelswärd-Fersen’s novels and perhaps his most important work, satirising the scandal around himself in Paris, with touches of the Oscar Wilde affair thrown in for good measure. The hero, Lord Lyllian, departs on a wild odyssey of sexual debauchery, is seduced by a character that seems to resemble Oscar Wilde, falls in love with girls and boys, and is finally killed by a boy. The public outcry about the supposed Black Masses is also charicatured. The work is an audacious mix of fact and fiction, including four characters that are alter egos of d’Adelswärd-Fersen himself.

Akademos. Revue Mensuelle d’Art Libre et de Critique was d’Adelswärd-Fersen’s short-lived attempt at publishing a monthly journal promoting pederastic love. When the premiere issue of Akademos came out in 1909, it was the first publication of its kind in the French language. Thematically, it trod somewhat similar ground as the German journal Der Eigene, published between 1896 and 1931 by Adolf Brand. This is not a coincidence, as d’Adelswärd-Fersen studied the German publications that tried to push for the social acceptance of homosexuality before launching Akademos. Also, he corresponded with both Brand and Magnus Hirschfeld.

D’Adelswärd-Fersen frequently organised parties in his splendid villa, to which all the intellectuals and ‘eccentric’ travellers staying on the island of Capri were invited. The Baron lived for twenty years on the island; his death here, possibly suicidal, is thought to have been caused by an overdose of cocaine. His ashes are kept in Capri’s non-catholic cemetery.

An article about the life of Jacques d’Adelswärd-Fersen can be found here.

 Jacques d'Adelswärd-Fersen

Jacques d’Adelswärd-Fersen (1880 – 1923)

Baron Jacques d’Adelswärd-Fersen war ein französischer Aristokrat, Autor und Dichter. Nachdem ihn 1903 ein Skandal in den Pariser Schuljungen involviert waren zur Persona non Grata in den Salons machte und seine Heiratspläne zu Nichte machte ließ er sich auf Capri nieder wo er mit seinem langjährigen Liebhaber und “Sekretär” Nino Cesarini bis zu seinem Tod im Jahre 1923 lebte.

D’Adelswärd-Fersens Großvater hatte ein Stahl-Imperium aufgebaut, das profitable genug war um D’Adelswärd-Fersen außerordentlich reich zu machen als er das Erbe mit 22 antrat. Folglich war er in den höheren Kreisen eine sehr begehrte Partie, da viele Familien hofften ihn mit einer ihrer Töchter verheiraten zu können. Neben seinem Eintritt ins Militär hatte D’Adelswärd-Fersens schon ausgedehnte Reisen gemacht und einige Gedichte veröffentlicht. Etwa in diesem Zeitraum wurd er er sich seiner homosexuellen Neigungen bewusst, die auch relativ deutlich in seiner Lyrik zur Sprache kommen. Er war, aus seiner Lage betrachtet unglücklicherweise, nicht an erwachsenen Männern interessiert (was ihm im Frankreich dieser Zeit nicht in rechtliche Schwierigkeiten gebracht hätte) sondern an Jungen im Alter zwischen 15 und 17. Diese Neigung sollte ihm schließlich gesellschaftlich das Genick brechen. 1903 wurden Anschuldigungen laut, er würde in seinem Haus in der 18 Avenue de Friedland Schwarze Messen abhalten. Angeblich wurden diese Feste auch von einigen Pariser Schuljungen besucht, wobei es auch zu sexuellen Handlungen zwischen dem Baron und den Jungen gekommen sein soll. Er wurde wegen unzüchtigen Handlungen mit Minderjährigen verurteilt, saß eine sechsmonatige Gefängnisstrafe ab, musste 50 Franc Strafe zahlen und verlor für fünf Jahre seine Bürgerechte.

Dieser Skandal weist einige Ähnlichkeiten zum Fall von Oscar Wilde im Jahr 1895 auf, welcher ebenfalls große soziale Ächtung erfuhr nachdem er in einem öffentlichen Prozess der “groben Unzucht mit anderen männlichen Personen” schuldig gesprochen wurde. Vielleicht hatte D’Adelswärd-Fersen Glück, dass zu seinen Festen auch andere angesehene Persönlichkeiten der Pariser High Society kamen, was das Gericht mehr oder weniger zwang einige Anschuldigungen fallen zu lassen um die Auswirkungen des Skandals zu minimieren. Nachdem seine Heiratspläne durchkreuzt waren entschloss sich D’Adelswärd-Fersen ein Haus auf der Insel Capri zu bauen, an die er sich aus seiner Jugend erinnerte.

Lord Lyllian, 1905 veröffentlicht, einer von D’Adelswärd-Fersens Romanen und sein vielleicht wichtigstes Werk, persifliert den Skandal um seine Person in Paris, mit einigen Elementen der Affäre um Oscar Wilde als Zugabe. Der Held, Lord Lyllian, erlebt eine wilde Odyssee sexueller Ausschweifungen, wird von einem Charakter verfuhrt der Oscar Wilde zu ähneln scheint, verliebt sich Mädchen und Jungen und wird letztlich von einem Jungen getötet. Das öffentliche Entsetzen über die angeblichen Schwarzen Messen wird ebenfalls karikiert. Das Werk ist eine tollkühne Mischung aus Wahrheit und Fiktion mit vier Charakteren die Alter Egos D’Adelswärd-Fersens sind.

Akademos. Revue Mensuelle d’Art Libre et de Critique war D’Adelswärd-Fersens kurzlebiger Versuch, ein monatlich erscheinendes Magazin zu versoffenlichten, dass die päderastische Liebe propagierte. Als die erste Ausgabe von Akademos 1909 erschien, war sie die erste Publikation ihrer Art in französischer Sprache. Thematisch ähnelte sie dem Magazin Der Eigene, das 1896 und 1931 von Adolf Brand herausgegeben wurde. Dies war kein Zufall, da D’Adelswärd-Fersen die deutschen Veröffentlichungen studierte, die sich für die Akzeptanz der Homosexualität einsetzten, bevor er Akademos gründete. Er korrespondierte außerdem mit Brand wie auch mit Magnus Hirschfeld.

D’Adelswärd-Fersen organisierte regelmäßig Partys in seiner prächtigen Villa, zu denen die Intellektuellen und “exzentrischen” Reisenden die sich auf der Insel aufhielten eingeladen wurden. Der Baron lebte zwanzig Jahre lang auf der Insel. Sein Tod, möglicherweise selbst herbeigeführt, wird einer Überdosis Kokain zugeschrieben. Seine Asche wir auf Capris nicht-katholischem Friedhof aufbewahrt.

Eine Biographie über Jacques d’Adelswärd-Fersen ist in der Bibliothek Rosa Winkel erschienen und kann hier bestellt werden.

 

Fersens Villa Lysis on Capri. More photos available here.

 [Text by Wikipedia & GLBTQ Encyclopedia. German translation by milkboys]